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Christen in der AfD

Auf dem Bundeskongress der Jungsozialisten (Jusos), der Nachwuchsorganisation der SPD, wurde Anfang Dezember 2018 unter "johlendem Beifall" der Delegierten ein Antrag genehmigt, den § 218 StGB abzuschaffen und dadurch eine Abtreibung bis unmittelbar vor der Geburt zu legalisieren. Die Menschenrechte würden zuerst einmal für Frauen gelten, dann erst "für alle anderen". Und "irgendwelche Ungeborenen" dürften dabei überhaupt keine Rolle spielen. 

Auf die Rhetorik und die Tragweite dieser Absichtserklärung (denn genau darum handelt es sich) kann man nur mit Entsetzen reagieren und mag sich die Folgen einer derartigen Abtreibungspraxis gar nicht vor Augen halten. Der Wert eines ungeborenen Menschen wird damit auf Null taxiert. Danach ist es nur noch ein ganz kleiner Schritt, um unliebsamen Menschen oder Menschengruppen vollständig das Recht auf Leben abzusprechen.
Man mag diesen Beschluss der SPD-Jugend ins Reich der Absurdität verbannen oder für einen Erguss jugendlicher Exzentrik halten. Doch das ist beides zu kurz gegriffen. Delegierte eines Parteitages, und das gilt auch für die Nachwuchsorganisationen der großen Parteien, repräsentieren die einflussreiche Funktionärsschicht einer Partei. Das ist bei den Jusos nicht anders als bei allen anderen Parteien. Richtungsentscheidungen der Nachwuchsorganisationen schaffen es aber oftmals, wenn auch mit einiger zeitlicher Verzögerung, in die Programmatik der Mutterpartei aufgenommen zu werden. Wer dies für abwegig hält, auch im Hinblick darauf, dass die genannte Forderung nach ersatzloser Abschaffung des § 218 in der SPD wohl (noch) nicht mehrheitsfähig sein dürfte, wird mit Blick auf die "Ehe für alle", "Gender-Mainstreaming" und anderen rot-grünen Lieblingsprojekten eines Besseren belehrt. Noch vor gerade einem Jahrzehnt hätte man es für unvorstellbar gehalten, dass derartige Projekte in die Gesetzgebung und die Rechtsprechung eines demokratischen Landes Einzug halten. Aber genau dies ist geschehen und auch, darauf muss leider hingewiesen werden, unter aktiver Beteiligung der einstmals bürgerlich-konservativen bzw. freiheitlichen Parteien.
Es muss an dieser Stelle auf einen grundsätzlichen Unterschied im Politikverständnis der parlamentarischen Linken und den Vertretern des liberal-konservativen Bürgertums (das heute nur noch in Fragmenten existiert) hingewiesen werden. Für den bürgerlichen Konservativen gehört der Kompromiss zu seiner Problemlösungsstrategie. Für die Linke ist ein Kompromiss stets ein Etappensieg auf dem Weg zu einem ferner liegenden Ziel, das durch temporäre Zugeständnisse keineswegs aus den Augen verloren wird. Die Linke benutzt jeden Raumgewinn als Ausgangspunkt zur weiteren Realisierung ihrer Agenda. Nur aus diesen gegensätzlichen Auffassungen von politischer Auseinandersetzung wird es verständlich, dass sich die einstigen Christdemokraten unter dem permanenten Druck rot-grüner Ideologen von ihren christlich-konservativen Grundlagen weitgehend entfernt haben. Es bedarf nur wenig Phantasie, um auch im Hinblick auf die Abschaffung des § 218 StGB eine ähnliche und vermutlich erfolgreiche Strategie der politischen Linken zu erkennen.
Wir sehen also das Vorpreschen der Jusos nicht als Ausfluss jugendlicher Exzentrik an, sondern als Menetekel an der Wand. Insbesondere, weil das weitgehende Schweigen der großen Kirchen kaum zu überhören ist. Bei einem solch unerhörten Vorschlag, wie er von den Jusos ins Spiel gebracht wurde, hätte buchstäblich ein Aufschrei durch die katholische und die protestantische Kirche gehen müssen. Nichts dergleichen ist geschehen. Ist es die Furcht, das "heiße Eisen" Abtreibung anfassen zu müssen oder unterschätzt man die Sprengkraft des Juso-Vorstoßes?
Die Abgeordneten der AfD haben sich sowohl im Bundestag als auch in einigen Landtagen sofort und lagerübergreifend für den Lebensschutz positioniert. Für uns Christen in der AfD ein sicheres Zeichen dafür, dass die Durchdringung mit christlichen Positionen und Werten in der Partei ein gutes Maß erreicht hat. Das macht Hoffnung. Auch darauf, dass sich immer mehr glaubenstreue Christen uns anschließen mögen.

Hardi Schumny
Mitglied im Bundesvorstand der „Christen in der Afd (ChrAfD)“

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